Blick in das Wallraf Richartz Museum

Das Wallraf Richartz Museum, das sich in Köln an zentraler Lage befindet, zeichnet sich vor allem durch seine umfangreiche Sammlung mittelalterlicher Malerei aus. Zugleich ist es das älteste Museum der Stadt. Ein weiterer Fokus ruht auf eine recht große Auswahl an Kunst, aus dem 16. sowie 17. Jahrhundert. Das Wallraf Richartz Museum beherbergt eine der umfangreichsten Sammlungen aus den Epochen der impressionistischen und neoimpressionistischen Kunst in Deutschland. Kenner schätzen vor allen die mittlerweile aus 7.500 Blättern bestehende Sammlung grafischer Werke, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reicht. Zuständig für die Geschicke zeichnet sich Marcus Dekiert, der seit 2013 als Direktor im Wallraf Richartz Museum tätig ist.

Wie alles anfing

Das Wallraf Richartz Museum lässt sich bis ins Jahr 1824 zurückverfolgen. Grund für die Gründung war ein Testament des Kölner Kanonikers Ferdinand Franz Wallraf. In seinem Testament vom 18.Mai aus dem Jahr 1818 vermacht er der Stadt Köln seinen sämtlichen Nachlas. Dieser Bestand vorwiegend aus Säkularisationsgut. Als Bedingung war klar formuliert: Alle Kunstwerke aus dem Nachlass sollen bei der Stadt zum Nutzen von Wissenschaft und Kunst verbleiben. Bereits drei Jahre nach seinem Tod wurde ein Teil der sehr umfangreichen Sammlung im Quartier der Kölner Erzbischöfe der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das sogenannte Interimsmuseum wurde zunächst bis zum Jahre 1842 durch den Kurator Matthias Joseph de Noël (1782–1849) verwaltet. Das Museum wurde dabei zunächst auf den Namen Wallrafianum benannt. Erst um das Jahr 1851 erklärte sich ein Kaufmann aus Köln bereit, eine Spende für einen neuen Museumsbau zu stiften. Die Grundsteinlegung unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. fand im Jahre 1855 (04. Oktober) statt. Der Bau im Englisch-Neugotischen-Stil erfolgte auf dem Gelände des ehemaligen Minoriten Klosters. Mit weiteren Spenden könnte das Wallraf Richartz Museum in Köln schlussendlich am 01.Juli 1861 eröffnet werden. Es gehört heute zu den ältesten Museen in der Domstadt. Ein Umbau erfolgte in den Jahren 1936/37. In Folge des Zweiten Weltkrieges wurde das Wallraf Richartz Museum in der Peter-und-Paul-Nacht am 28.Juni 1943 vollständig zerstört. Das sollte jedoch noch lange nicht das Ende sein.

Wiederaufbau nach dem Krieg

Zunächst geriet das Wallraf Richartz Museum in Köln in den Kriegswirren jedoch in Vergessenheit. Es sollten 14 Jahre bis zu einem Neubau vergehen. Mit einer Bauzeit von fast 4 Jahren konnte Mitte 1957 ein neues Gebäude auf dem alten Grundstück realisiert werden. Kritik gab es aber an dem Neubau zuhauf. So wurden die Räumlichkeiten immer wieder als zu klein kritisiert. Schnell tauchten Rufe nach einem weiteren Neubau auf. Der Gedanke wurde erneut im Jahre 1968 gestärkt, als das Wallraf Richartz Museum die große Sammlung von Peter Ludwig übernahm. Nach einem Ausschreibungs- und Ideenwettbewerb begannen im Jahre 1977 erneut die Bauarbeiten. In direkter Nähe zum Kölner Dom, auf dem ehemaligen Busbahnhof entstand ein neuer großer Bau. Im alten Gebäude aus dem Jahre 1957 befinden sich aber bis heute die Ausstellungsräume für das Museum für Angewandte Kunst.

Das große Gebäude

10 Jahre dauerte der Neubau an. Im Jahr 1986 konnte der neue Komplex für das Wallraf Richartz Museum in Köln eröffnet werden. Es befindet sich in prägnanter Lage zwischen Dom und dem Rhein. Der Gebäudekomplex beinhaltete auch das Museum Ludwig und die Kölner Philharmonie. Dennoch machte bereits die Annahme einer weiteren Stiftung durch das Ehepaar Peter und Irene Ludwig aus dem Jahre 1994 einen weiteren Neubau für die Sammlung von Wallraf erforderlich. Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahr 1998, die Eröffnung am 19. Januar 2001. Das neue und heutige Wallraf Richartz Museum befindet sich zwischen dem Rathaus und dem Alt St. Alban. Insgesamt steht nunmehr eine Ausstellungsfläche von über 3.500 m² zur Verfügung. Gezeigt werden Grafiken und Malereien vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Für Sonderausstellungen stehen im Wallraf Richartz Museum Köln bis zu 800 m² zusätzlich zur Verfügung. Mit einer weiteren Spende kam es zu einer Namenserweiterung. Im Jahr 2001 überließ Gerard Coboud dem Museum seine impressionistischen Gemälde als Dauerleihgabe. Der Name lautete fortan: Wallraf Richartz Museum & Fondation Corboud. Ebenso erfolgte eine Museumserweiterung, die zum 150jährigen Jubiläum des Wallraf Richartz Museum bekanntgegeben wurde. Die Planungen hierfür sind weiter in Gang. Die Erweiterung ist auf dem Gelände des ehemaligen Kaufhaus Kutz geplant.

Blick in die Sammlungen

Das Wallraf Richartz Museum in Köln beherbergt eine der wichtigsten Sammlungen in ganz Deutschland. Dazu gehört vor allem die Malerei aus dem Mittelalter. Besonders interessant zeigen sich dabei die Tafelbilder, die ohne größere Schäden die Jahrhunderte bis heute unbeschadet überstanden haben. Der Grundstock wurde durch Ferdinand Franz Wallraff mit seiner Säkularisation der Altarbilder gelegt. Das wichtigste Ausstellungsstück ist aber bis heute ein Tafelbild von Stephan Locher (Muttergottes in der Rosenlaube), das um 1448 mit einer Mischtechnik auf Holz entstand. In der anschließenden Barockabteilung zeigt sich ein imposanter Querschnitt aus dem 17.- 18. Jahrhundert. Der Schwerpunkt liegt hierbei in der Malerei der nördlichen Niederlande. Rembrandt, Jan Victors, Paris Bordone und Peter Paul Rubens sind dabei nur einige der herausstechenden Namen in der Sammlung des Wallraf Richartz Museum in Köln.

Ein Blick in die große und recht ausgewogene Kunstsammlung des 19. – 20. Jahrhunderts lohnt ebenfalls. Dabei spannt sich der Bogen des späten Jahrhunderts (Jakob Philipp Hackert, Johann Christian Reinhart, u.a.) bis zur deutschen Früh- und Spätromantik (Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Gerhard von Kügelgen, u.a.). Durch die Dauerleihgabe von Gerard Coboud zeigt sich im Museum ebenfalls eine der breitesten Sammlungen aus dem französischen Impressionismus sowie Spätimpressionismus.

Die grafische Sammlung im Wallraf Richartz Museum beherbergt heute etwas 75.000 Werke auf Papier. Hierzu gehören ebenfalls seltene Miniaturen aus Pergament. Und einzigartige Handzeichnungen. Künstler wie Leonardo da Vinci, Raffael, Albrecht Dürer, Luca Cambiaso, Hendrick Goltzius, Rembrandt van Rijn, Carl Spitzweg, Anselm Feuerbach, Edvard Munch, Max Liebermann,Lovis Corinth und andere lassen sich darunter finden. Nicht zu vergessen ist dabei ein Konvolut aus dem Nachlass von Jakob Ignaz Hittorff, das fast ebenfalls 7.500 Stücke umfasst.

Öffnungszeiten und Anreise

Das Wallraf Richartz Museum befindet sich direkt beim Kölner Rathaus und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. Vom Dom beziehungsweise vom Hauptbahnhof in Köln gelangen Sie durch die Altstadt in nur 5 Minuten direkt zu Museum.

Adresse:
WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM & FONDATION CORBOUD
Obenmarspforten 40
Am Kölner Rathaus
D-50667 Köln
Tel.: +49 (0)221 / 221 - 211 19
Fax: +49 (0)221 / 221 - 226 29

Geöffnet ist das Museum jeweils von 10 – 18 Uhr (Dienstag bis Sonntag). Donnerstags jeweils bis 21 Uhr. Erwachsene müssen 8 Euro, Kinder nur 4,50 Euro pro Person als Eintritt bezahlen. Sonderausstellungen werden getrennt berechnet.